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Trends und zukünftige Herausforderungen nachhaltiger Beschaffung

Sowohl der Bericht des „United Nations Environment Programme“ aus dem Jahr 2017 als auch die aktuelle wissenschaftliche Literatur zeigen ein deutlich wachsendes Interesse für eine nachhaltige öffentliche Beschaffung. Dabei scheinen sich die Interessenschwerpunkte zunehmend zu verlagern. Während das Hauptaugenmerk bisher vor allem der zielführenden Implementierung nachhaltiger öffentlicher Beschaffung galt, rücken nun Fragen zum Einsatz von Ökolabels sowie das Thema Kreislaufwirtschaft in den Mittelpunkt

Nachhaltiger Beschaffung wird immer mehr Bedeutung beigemessen

In der Studie des „United Nations Environment Programme“ (UNEP) wurden 201 Personen aus dem Bereich der öffentlichen Beschaffung aus insgesamt 62 Ländern und 186 unterschiedlichen Organisationen befragt. Dabei kam das UNEP zu folgenden Ergebnissen:

  • 63 % der Befragten finden, dass nachhaltige Beschaffung in ihrer Organisation in den letzten fünf Jahren an Bedeutung gewonnen hat und
  • 68 % der Befragten empfinden zudem, dass die Bedeutung von nachhaltiger Beschaffung auch auf nationaler Ebene gestiegen ist.

Viel wichtiger für die Zukunft der nachhaltigen Beschaffung ist aber, dass die meisten Teilnehmer der Befragung davon ausgehen, dass sich dieser Trend zur nachhaltigen Beschaffung in Zukunft noch weiter fortsetzen und sogar verstärken wird. So erwarten 85 %, dass ihre Organisation in den nächsten fünf Jahren etwas mehr oder sogar wesentlich mehr zur Initiierung eines nachhaltigen Beschaffungswesens unternehmen wird.

Dabei zeigen sich jedoch deutliche Unterschiede zwischen den europäischen und restlichen Teilnehmern der Befragung. Während die außereuropäischen Befragten grundsätzlich erwarten, dass Nachhaltigkeitsaspekte am besten durch Handlungen innerhalb der eigenen Verwaltung anstatt durch nationale Maßnahmenpläne durchgesetzt werden, scheint es innerhalb Europas genau andersherum zu sein. Hier werden erst nationale Vorgaben erwartet, bevor das eigene Verwaltungshandeln entsprechend angepasst werden kann.[1]

Trends in der nachhaltigen Beschaffung: aufkommende Themen, Strategien und Aktivitäten

Neben der Einschätzung zur Zukunft der nachhaltigen öffentlichen Beschaffung wurden auch aktuelle Interessenschwerpunkte ermittelt. So stehen für 46 % der Befragten vor allem Umweltzeichen und Zertifizierungen im Mittelpunkt. Das gilt insbesondere für die Vertreter von nationalen Regierungen, die auf der Suche nach glaubhaften und aussagekräftigen Standards im Bereich Nachhaltigkeit zu sein scheinen.

Ein weiterer wichtiger Trend in der nachhaltigen Beschaffung zeigt sich im Monitoring sowie der Implementierung von Nachhaltigkeitsaspekten. Hierfür interessieren sich 43 % der Befragten.

Zudem gewinnt das Konzept des Life-Cycle Costing (Lebenszykluskostenrechnung) immer mehr an Bedeutung. 37 % der Befragten gaben an, sich für den Lebenszyklus von Produkten im Zuge einer nachhaltigen Beschaffung zu interessieren. Vor dem Hintergrund, dass dieses Konzept auch immer mehr in die rechtlichen Rahmenbedingungen der öffentlichen Vergabe eingebettet wird, kann davon ausgegangen werden, dass dieser Trend weiter steigen wird.

Für die öffentlichen Einkäufer wird es also immer wichtiger, ein solides Grundverständnis für Produktlebenszyklen zu erlangen und sämtliche Prozessphasen entlang der Wertschöpfungskette betrachten und bewerten zu können.

Zukünftige Herausforderungen in der nachhaltigen Beschaffung

Die nachhaltige Beschaffung liegt bei öffentlichen Auftraggebern klar im Trend. Dadurch müssen sich Vergabestellen zukünftig aber auch neuen Herausforderungen stellen, welche immer konkreter werden. Ein weiterer Teil der Befragung zielte darauf ab, aktuell aufkommende Themen, Strategien und Aktivitäten herauszuarbeiten:

  • Umweltzeichen, Standards und Zertifizierungen zogen das größte Interesse unter den Befragten auf sich (46 %), insbesondere von Vertretern nationaler Regierungen, die nach glaubhaften und aussagekräftigen Standards suchen.
  • Monitoring und Reporting der Implementierung wurde ebenfalls großes Interesse gewidmet (43 %); im Speziellen von Repräsentanten öffentlicher Behörden.

Darüber hinaus rücken auch Themen wie Kreislaufwirtschaft und Produktlebenszykluskosten in den Mittelpunkt des Interesses.

Die neuen Aufgabengebiete lassen sich in der Praxis leicht verknüpfen und mithilfe des Cradle-to-Cradle-Siegels lösen, das bei seiner Bewertung den gesamten Lebenszyklus eines Produktes betrachtet. Mit diesem ganzheitlichen Ansatz ist das Cradle-to-Cradle-Siegel aktuell die aussagekräftigste Zertifizierung, wenn es um Nachhaltigkeit von Produkten im Sinne der Kreislaufwirtschaft geht. Weitere Informationen dazu erhalten Sie auch in unserem Beitrag: Welches Umweltlabel ist wirklich nachhaltig?

Vergabestellen können – nach der Auseinandersetzung mit den Themen Kreislaufwirtschaft und nachhaltiger öffentlicher Beschaffung – bei der Ausschreibung also verstärkt auf das Cradle-to-Cradle-Siegel setzen. Dieses bietet eine einfache und sinnvolle Lösung, um einen nachhaltigen Einkauf in der Praxis zu realisieren. Das Siegel kann dabei zukünftig als Standard-Zertifizierung für Nachhaltigkeitskriterien implementiert werden.


[1] Global Review of sustainable public procurement (2017), S. 48.