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Irrgarten Nachhaltigkeit – diese Nachhaltigkeits-Definition sollten Sie kennen!

Der Begriff der Nachhaltigkeit wird viel diskutiert – sowohl in der Öffentlichkeit und Presse als auch in Politik und Wissenschaft. Dabei kommt es aufgrund unterschiedlicher Definitionen beim Begriff Nachhaltigkeit immer wieder zu Missverständnissen.

Definitionen zur Nachhaltigkeit in der wissenschaftlichen Diskussion

Blickt man auf die Diskussion des Begriffs „Nachhaltigkeit“ in der wirtschaftswissenschaftlichen Auseinandersetzung, wird deutlich, wie unterschiedlich die Nachhaltigkeits-Definitionen ausfallen können. Allein der Beitrag von Kirchherr, Reike und Hekkert (2017)[1] zeigt auf, dass beispielsweise mehr als 100 Definitionen rund um den Begriff der „Kreislaufwirtschaft“ im Zusammenhang mit Nachhaltigkeit zu existieren scheinen.

Ahi und Searcy (2013) [2] untersuchten mehr als 30 Definitionen zu nachhaltigem bzw. grünem Supply Chain Management. Bei der Untersuchung von Gemeinsamkeiten der genutzten Begriffe lassen sich vier Schwerpunkte bei den Nachhaltigkeits-Definitionen erkennen.

Definition Nachhaltigkeit – die Unterteilung in unterschiedliche Bereiche

1. „Sustainable“: Darunter sind Begriffe zu finden, die einen Bezug zum bedarfsgerechten Ressourcengebrauch ohne negative Einflüsse auf Ökonomie, Ökologie und Gesellschaft vorweisen. Der Ausdruck Sustainable Purchasing/nachhaltiger Einkauf umfasst einen bedarfsgerechten Einkauf, bei dem neben der Organisation möglichst auch Ökologie, Ökonomie und Gesellschaft profitieren. Der Begriff nimmt damit in der Begriffshierarchie eine übergeordnete bzw. umfassendere Bedeutung ein.

2. „Green“/„Environment“: Dabei handelt es sich um Begriffe, die sich speziell mit ökologischer Nachhaltigkeit beschäftigen. Sie stellen den Aspekt des Umweltschutzes in den Mittelpunkt der Überlegungen. Hier werden mit Blick auf die Begriffshierarchie, ausgewählte Aspekte (meist ökologische Aspekte im Zusammenhang mit ökonomischen Aspekten) besprochen.

3. „Circular“: Damit lassen sich Begriffe zusammenfassen, die einen direkten Bezug zur Kreislaufwirtschaft haben und damit der Frage nachgehen, wie sich Ressourcenverbräuche im Gegensatz zu herkömmlichen/traditionellen Wirtschaftssystemen (Linearwirtschaft oder Wegwerfwirtschaft) durch das geschickte Schließen von Materialkreisläufen minimieren lassen. In diesem Zusammenhang wird auch immer öfter von Cradle-to-Cradle-Ansätzen gesprochen, die eine durchgängige und konsequente Kreislaufwirtschaft in den Mittelpunkt der Überlegung rücken.

Dabei geht es dann um den Einsatz von nicht-gesundheitsschädlichen Materialien, die prinzipielle Kreislauffähigkeit von Produkten, den Einsatz erneuerbarer Energien, den verantwortungsvollen Umgang mit Wasser sowie den Aspekt der sozialen Nachhaltigkeit in Wertschöpfungsketten. Dieser neuere Begriff konzentriert sich daher auf die Ausgestaltung der Wertschöpfung und der damit verbundenen Wertschöpfungsketten.

4. „Waste Management“: Unter diesem Begriff findet man Aspekte aus der Abfallwirtschaft, die im Kern auf unterschiedliche Möglichkeiten des Abfallmanagements hinweisen (bis hin zu „Zero-Waste“-Strategien). Dieser Begriff zeigt mögliche Strategien zum Abfallmanagement in Wertschöpfungsketten auf.

Die Definitionen um Nachhaltigkeit – eine fortlaufende Entwicklung

Bei Nachhaltigkeit handelt es sich also um einen sich fortlaufend entwickelnden Begriff. Es gibt unterschiedliche Auslegungen zur Nachhaltigkeit, was eine einheitliche Definition in der allgemeinen Diskussion schwierig macht. Je nach Themenschwerpunkt sind die vorhandenen Nachhaltigkeits-Definitionen unterschiedlich eingefärbt.

Die in der wissenschaftlichen Auseinandersetzung verwendeten Begriffe beziehungsweise Definitionen der Nachhaltigkeit stehen dabei in keinem Widerspruch zu den Entwicklungen auf internationaler und nationaler Ebene.

Stattdessen helfen sie dabei, ein tieferes Verständnis des Begriffs „Nachhaltigkeit“ zu entwickeln. Darüber hinaus bilden sie auch gewissermaßen einen Startpunkt für eigenständige, weiterführende Überlegungen.

So sollte die Nachhaltigkeits-Definition beziehungsweise der Begriff Nachhaltigkeit auch im öffentlichen Einkauf umfassend betrachtet werden – sowohl sozial als auch ökologisch und ökonomisch. Für ein umfassendes Nachhaltigkeitsverständnis braucht es dafür Kenntnisse zur Zusammensetzung nachhaltiger Produkte sowie deren Abfallmanagementsystem. Hier sollte also über Wertschöpfungsketten, Wertschöpfungskreisläufe und Produktlebenszyklen nachgedacht werden.

Betrachtet man die aktuelle Entwicklung der Nachhaltigkeits-Definitionen, kann man davon ausgehen, dass sich der Begriff in Zukunft noch weiterentwickelt.


Literaturverzeichnis

[1] Kirchherr, J., Reike, D., Hekkert, M. (2017). Conceptualizing the circular economy: An analysis of 114 definitions. In: Resources, Conservation and Recycling, 127, S. 221-232.

[2] Ahi, P., Searcy, J. (2013). A comparative literature analysis of definitions for green and sustainable supply chain management. In: Journal of cleaner production, 52, S. 329-341.