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Experteninterview zu Nachhaltigkeit in öffentlichen Beschaffungen mit Prof. Dr. von Deimling

Im Interview beantwortet Prof. Dr. Christian von Deimling, Dozent an der Fakultät für Wirtschafts- und Organisationswissenschaften der Universität der Bundeswehr München, Fragen rund um das Thema Nachhaltigkeit in öffentlichen Beschaffungen. Aus der Analyse von 160 Vergabeverfahren erläutert er die wichtigsten Erkenntnisse von der Trendentwicklung über den Status Quo der Umsetzung in den öffentlichen Institutionen bis zu handfesten Tipps für beschaffende Einrichtungen.

Wo beginnt der Prozess? Welche rechtlichen Rahmen, Hilfestellungen und Hindernisse sind zu beachten? Und welche Vorteile bringt es öffentlichen Auftraggebern, Nachhaltigkeitsaspekte in ihren Beschaffungen konsequent mit zu denken?

Wie und wo beginnt die Auseinandersetzung mit Nachhaltigkeit?

Das Buzzword „Nachhaltigkeit“ wird oft nur oberflächlich verstanden und in der Folge auch nicht ganzheitlich umgesetzt. Tatsächlich geht es darum, die zu beschaffenden externen Ressourcen möglichst umweltfreundlich, sozial und zu den wirtschaftlich günstigsten Konditionen einzukaufen. Wie Prof. Dr. Christian von Deimling erläutert, beginnt dieser Prozess schon bei der Bestimmung des Bedarfs.

Hilfestellungen und Hindernisse bei der Realisierung von nachhaltigen Beschaffungen

Wie die Studienergebnisse zeigen, sind öffentliche Auftraggeber unterschiedlich fortgeschritten darin, Nachhaltigkeit in ihren Beschaffungen zu realisieren. Der rechtliche Rahmen gibt dabei schon sehr viel Raum für nachhaltige Einkäufe. Ausschlaggebend dafür, wie gut dieser Rahmen ausgefüllt wird, ist oft das Engagement der Mitarbeitenden in der jeweiligen Organisation. Wo Einrichtungen Leitfäden und Strategien für Ihre Beschaffungen definieren, geben sie wichtige Hilfestellung, um das Prinzip in die gelebte Praxis zu bringen – und sich so von einer „Nachhaltigkeit 1.0“ weiter zu entwickeln.

Organisationsinterne Leitlinien sorgen für Vorsprung

Wie Prof. Dr. Christian von Deimling hier verdeutlicht, lassen sich klare Erfolgskriterien erkennen für die Implementierung von Nachhaltigkeit in den eigenen Beschaffungen: Dazu zählen unter anderem Beschaffungs-Strategien und -Leitfäden für Mitarbeiter zur Umsetzung der Vergabe, bestenfalls vergaberechtlich spezialisierte Mitarbeiter sowie ein umfassendes Verständnis der Lieferketten sowie der Materialkreisläufe.

Kontinuierliche Weiterentwicklung macht den Unterschied

Nachhaltigkeitsstrategien werden in der Politik und in der öffentlichen Diskussion stetig weiterentwickelt – dementsprechend hält der Experte es auch für wichtig, organisationinterne Richtlinien für Beschaffungen stetig fort-und ggf.- umzuschreiben, um am Ball zu bleiben. Wo beispielsweise vor einigen Jahren noch darüber gesprochen wurde, klimaschädliche Folgen von Beschaffungen möglichst gering zu halten, zielt man heute auf eine klimaneutrale oder klimafreundliche Bilanz ab.

Analyse von 160 Vergabeverfahren

Auf den ersten Blick zeigte die Analyse von 160 Vergabeverfahren, dass Nachhaltigkeit bei rund 70 % der Beschaffungen durchaus bereits eine Rolle spielt. Bei genauerer Betrachtung fiel dem Forschungsteam allerdings auf, dass die geforderten Kriterien oft oberflächlich formuliert und in ihrer Einhaltung vom Vergebenden kaum kontrolliert wurden. In den eigentlichen Zuschlagskriterien findet Nachhaltigkeit bisher keine relevante Gewichtung.

Nachhaltigkeit in Beschaffungen bringt vielfältige Vorteile

Von nachhaltigen öffentlichen Beschaffungen profitieren Umwelt und natürlich auch die Bürger und Bürgerinnen, zum Beispiel wenn öffentliche Einrichtungen mit unschädlichen und klimafreundlichen Produkten gereinigt werden. Durch den bedachteren Umgang mit Neuanschaffungen können zudem größere Vorhaben in anderen Bereichen mit diesen frei gewordenen öffentlichen Mitteln realisiert werden.

Personelle Ressourcen bereitstellen für eine kompetente ganzheitliche Umsetzung

Die Wissenschaft drängt darauf und Extremwetterereignisse zeigen es überdeutlich: Auf jahrzehntelange Diskussionen um Nachhaltigkeit und Klimaschutz müssen schnellstens konkrete Taten folgen. Prof. Dr. Christian von Deimling betont, dass es zur kompetenten Umsetzung und Weiterentwicklung von nachhaltigen Beschaffungen auch die entsprechenden personellen Ressourcen benötigt.